UNVERGESSEN: New Orleans (07.12. - 10.12.06)
New Orleans ist ein wild schlagendes Herz mit einem Körper, der nur langsam aus dem Koma erwacht.
Am Donnerstag nach dem Mittagessen sagte Jennifer: Holt eure Taschen, es ist Zeit aufzubrechen! Wie Recht sie doch hatte. Leider konnte ich trotzdem weder eine Tasche noch Zeit aus dem Ärmel ziehen, denn in meinem Kalender stand fälschlicherweise “Freitag nach New Orleans”. I think I spider! Knappe und hektische drei Stunden später saßen wir im Auto und ich schwor mir, den erzeugten Zeitriss à la “einen Tag zu früh” bei der nächsten großen Reise wieder auszugleichen (haha, welch neckische Anspielung auf mein kleines Weihnachtsmalheur). 5 Stunden bei Nacht durch Alabama the Beautiful - im Radio 23 verschiedene Countrysender… ich kam mir vor, wie in einem Road Movie (und wartete leider vergeblich auf das Besingen von Lucy Jordans Augen) - erreichten wir die strumgepeitschte Stadt und auch im Dunkeln sah man noch immer neben der Autobahn ein ganzes Heer an gruseligen Baumleichen, die mahnend in alle Himmelrichtungen außer oben zeigten. Ganz anders unser Hotel, in dem wir dank Jennifers von Unigeldern bezahlter Humor-Konferenz umsonst aber zu dritt in einem Bett leben sollten: Marmor, Mitnehm-Seife fürs ganze Jahr, Chinchilla Fünflagig für den verwöhnten Dukatenscheißer-Popo und auf dem Dach ein heißer Pool, der auch bei diesen winterlichen Minusgraden fröhlich blubbernd ungestört Energie in die Atmo rausschleuderte.

NO bei Nacht vom Dach aus.
Hm, schön warm hier draußen. Stirb, Eisbär, stirb!
Nun, da ich im verschwommenen Rückspiegel der Erinnerung bis Anfang Dezember zurückblicken muss, sind viele kleine und faszinierende Details überhaupt nicht mehr sichtbar, umso krasser sticht aber noch einmal die schon erwähnte brachiale Zweiteilung der Stadt hervor.
Auf der einen Seite erinnere ich mich da an lange durchfeierte Nächte auf Bourbon-Street, an Handgranades & Hurricanes (verflixt süßes “Nationalgetränk”), wirklich gute Livebands, von Mädchenmund ausgeschenkte Shots (kleine Schnäpse), Beads (diese Perlenketten, die man Frauen schenkt, damit sie ihre Brüste zeigen; ich habe selber auch eine bekommen!), Jenn und ihren kleinen tanzenden Mexikaner, ekelhaft grindende Senioren… insgesamt also flottes Flair & Flirten (außer für mich). Ich erinnere mich an gemütliches “Gumbo“-Mittagessen in jenem sympathischen Schmierlokal “where the old bitch holds court” und an puderzuckerüberhäufte Bignets im Café du Monde. Unvergleichlich war auch unser Jazz-Abendessen mit einer Band bestehend aus halbkompostierten aber brillianten Musikern (4 Zähne auf 5 Köpfe verteilt), einer schwarzen Sängerin, die YEEHAA! ruft, wann sie will (wild women don’t get the Blues!), und letzten Endes einer betrunkenen Tänzerin, die nun in ihrem dritten oder vierten Frühling arg an Joe Cocker mit Cocktailschirmchen erinnerte. Grandios! Fast genauso grandios war der versehentliche Besuch beim Easy-Rider-Friedhof im Dämmerlicht, der Schwede & ich in einem Fersehspot für Café Blabla, die St. Louis Cathedrale im Filmnebel und Blind Guardian live - eine vermeintliche BluesBand, die sich als die Metalband meiner wilden bezopften Jugend entpuppte. In Japan füllen sie Fußballstadien, hier spielten sie vor hundert Leuten, so dass die wilde Mähne gepflegt eine angemessene Henkersmahlzeit geschüttelt bekam und CJ (der kleine Zug aus der Schweiz) vor Neid erbleichen sollte. Leckere Souvenire gab es auch… hm, Krokodilfbifi.
Auf der anderen Seite dieser Gedenkmünze steht eine andere oft zweischneidige Geschichte geschrieben:
Zerstörung & Armut.
Zusammenhalt & Wiederaufbau.
“überlebende” Weiße und “plünderende” Schwarze.
NO steht ganz hoch im Rennen um die höchste Kriminalitätsrate der USA. Wenn man sich aus dem schönen French Quarter herausbewegt, geht es ziemlich schnell, dass man plötzlich lieber wieder zurück will. Und bei unserer Autofahrt durch die Geisterstadt (Knopf runter!) war es oft unklar, ob die heruntergekommenen Häuser die Folgen des gewaltigen Sturmes dokumentierten oder einfach ein Zeugnis großer Armut ablegten. Vieles haben wir sicherlich gar nicht gesehen und fast nichts dessen, was wir sahen, ließ sich im Vorbeifahren mit der Kamera einfangen (darum werde ich auf solch halbherzige Fotographien verzichten - ihr könnt es euch vorstellen oder im Internet suchen). Zwei Bilder werde ich allerdings ganz sicher nicht vergessen: das bis auf wenige Mauerreste total kaputt gestürmte Hotel mit dem schiefen und verschmutzten Schild-Überrest “now for rent” und den Souvenirshop mit jenen Spruch-T-Shirts: “Katrina - give me a blowjob I won’t forget!”














Am 6. Februar 2007 um 15:22 Uhr
I am so excited to get back to that wild schlagendes Herz, and to see our Evelyn, our Hurky, and have new adventures with new friends!
Am 28. Februar 2007 um 08:00 Uhr
[…] Heute ist FAT TUESDAY, der Chef unter den Karnevalstagen. Erst zeigt sich die traditionelle Vodoo-Parade, dann die King’s Parade. Zwischendurch ein kleines Mittagessen in unserem alten Lieblingsreaturant Where the Old Bitch holds Court (Evelyn’s Place) - bestürzt müssen wir feststellen, dass sie dies nicht meht tut, weil sie zwei Wochen zuvor verstarb. […]
Am 16. Oktober 2007 um 15:18 Uhr
[…] ist es her, da schrieb ich (im Beitrag mel in New Orleans) diese wenig spektakulären […]