“I’m the Commander Guy”
Menschen feiern alles mögliche: Geburtstage, Jahrestage, Namenstage, Hochzeitstage, Backstage. Manchmal frage ich mich, ob auch jene Zeiteinheiten an sich Vorfreude empfinden auf den Moment ihrer Wiedergeburt aus dem Strudel dessen, was war und was sein wird, hinein ins JETZT. Genießen sie es, rot umrahmt für 24 Stunden der Star im Wandkalender zu sein, die Nummer eins in den Top 365… können sie gar die Nacht zuvor vor Aufregung nicht schlafen?
Der 1. Mai hat in den USA dieses Jahr garantiert nicht gefeiert. Genau 4 Jahre ist es her, dass George Bush auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln verkündete, dass die wesentlichen Kampfhandlungen im Irak abgeschlossen seien. Über ihm ein riesiges Banner mit der Aufschrift “Mission Accomplished”.
Zum Geburtstag jenes Momentes gab es dieses Jahr dann auch ein ganz besonderes Geschenk: Der selbsternannte “Commander Guy” unterzeichnet (mit einem Stift, den ihm der Vater eines gefallenen Soldatens übergab) ein Veto, das dem von Demokraten geplanten Kriegsende mal wieder schön den Hintern versohlt. Vielleicht schicken wir ja demnächst einfach mal Verstärkung nach Virginia, da könnte man auch einen Job zu Ende bringen und die Fernsehzuschauer sind noch nicht so furchtbar dagegen abgestumpft.
Nun aber mal keine Totalverbitterung: Letzte Woche war ich auf einem kleinen städtischen Parkfestival, das sogar mit einer kleinen nachbarschaftlichen Parade auftrumpfte. Es tat gut zu sehen, dass quer durch alle Altersschichten, Gehaltsklassen und Promillegrade die gesamte Menge laut dem “Truppenabzug JETZT!”-Wagen zujubelte. Ich denke, sehr viele Amerikaner sind inzwischen kriegsmüde… nur halt der eine noch nicht. Auch P!nk hat dem Mann an der Spitze dieses Eisberges was zu sagen, wie Werner schon auf seiner Seite verkündete. Ich mopse das jetzt im Zuge der Aufklärung (Text HIER):
Am 3. Mai 2007 um 19:49 Uhr
Also normalerweise bin ich nicht so wirklich überzeugt von Pink, aber ich finde, dass sie hier ihre Meinung gut deutlich macht und das auf eine Art und Weise, in der sie ernst genommen wird, offensichtlich die Zustimmung ihres Publikums (auch oder besonders dem Text gegenüber) erfährt und ihre Emotionen nur so weit ins Spiel bringt, dass es auch Sinn macht.
Am 4. Mai 2007 um 17:25 Uhr
Das Lied von P!nk ist genial… Die Frau hat was drauf und ihre neueren Lieder finde ich echt gut… Ist zwar immer noch nicht ganz meine Musikrichtung, aber trotzdem nett anzuhören…
Ja, Amerika… Ich möchte nicht urteilen ohne zu wissen und zu kennen, aber alles was man so hört und was gemunkelt wird über dieses große Land in der Ferne scheint doch einen verdammt großen Teil Wahrheit zu enthalten… Schade…
Am 6. Mai 2007 um 02:59 Uhr
Du urteilst ja aber doch.
Am 7. Mai 2007 um 14:01 Uhr
Ich vermute… Würde ich urteilen hätte ich geschrieben: Bei allem was man so hört ist ja ein großer Teil Wahrheit drin. ;-)
Außerdem habe ich grad meine Eintrag überlesen und weiß leider grade selbst nicht so ganz, was ich damit sagen wollte… Irgendwie fehlt da was… Naja…
Am 7. Mai 2007 um 16:22 Uhr
Sehr weise von dir, die Gefahr der Abmahnung für den Songtext per Link zu umgehen.
Was wird eigentlich diskutiert:
a Truppenabzug und die Iraki etc. mit ihren Problemen alleine zu lassen
b Truppenabzug aber erst (1-100 Jahre) eine stabile Situation schaffen
c Truppen bleiben und irgendwas machen
d was anderes, was ich nicht verstanden habe?
?
Das hört sich so nach a an, der wohl zweitschlechtesten Lösung?
Am 7. Mai 2007 um 17:17 Uhr
Ah, der MeWi kennt seine Copyrights.
P!nk macht in dem Lied einen ziemlichen (und oft auch unkonkreten) Rundumschlag, größtenteils allerdings innenpolitisch.
2 Zeilen adressieren den Krieg:
- How do you dream when a mother has no chance to say goodbye?
- Rebuilding your house after the bombs took them away
…beziehen aber keinerlei direkte Stellung zu Statement a) bis d) - wobei DU (natürlich) Recht hast, dass b) wünschenswert (erreichbar?) ist.
Wann ist denn Cam-delight-dinner? Zumindest tät-a-täterätä? Ab Mittwoch bin nämlich ich erst mal weg vom Fenster.
Am 7. Mai 2007 um 23:47 Uhr
Ok, ich muss noch was nachtragen. Oben sage ich “es geht um Innenpolitik, nicht so sehr um den Krieg”. Aber kann man das überhaupt trennen? Seit der ersten Kriegsminute hat die Innenpolitik dieses Landes unter der verkorksten Außenpolitik zu leiden gehabt. Mit dem Geld, was bisher in jene Kampfhandlungen geflossen ist, hätte man wahrscheinlich jedem Obdachlosen (und es gibt viele) eine Universitätsausbildung, Haus, Boot, Krankenversicherung, Cola-Springbrunnen kaufen können… und nun soll NOCH mehr Geld verwendet werden um das Gesicht eines Mannes zu wahren, der eh vom Hals an aufwärts nichts mehr aufzuweisen hat?!
Damit kommen wir zum nächsten Punkt, den aé anspricht: die Taktik. Ich gebe zu: meine Wortwahl “Truppenabzug JETZT” ist nicht konkret und auch aus dem Gedächtnis wiedergegeben. Worum es mir (und ich hoffe sehr auch eben jenen jubelnden Menschen) geht, ist natürlich nicht ein verantwortungsloses Türmen, das nichts als Chaos hinterlässt. Ich denke, es geht um die Grundsatzentscheidung, die frustrierte Entmündigung nicht noch mehr zu Vergrößern, sondern Verantwortung zu verlagern und einer gewissen eigenständigen Mündigkeit entgegenzustreben, hoffentlich einer stabilen Situation.
Leider fehlt mir von dieser Stelle an das Wissen, um jene schon irgendwie leeren Formulierungen mit weiterer Substanz zu füllen. Ich denke einfach, es hilft niemandem, wenn irgendwann GANZ Amerika drüben ist um die Streithähne auseinander zu halten und ich freue mich, wenn dieser Beitrag zur weiteren Diskussion anregt.
Beste Grüße! mel
leider bemerke ich immer wieder, dass ich für eine wahrlich fundierte Meinung viel mehr wissen muss - ich tu mein Bestes.
Am 7. Mai 2007 um 23:54 Uhr
Moment… Ich saß am Samstag im Bus nach Braunschweich und las auf diesen überflüssigen digitalen Werbemonitoren irgendwas von wegen “Truppenabzug im Irak”… War das nun Falschmeldung, Wunschdenken oder tatsächlich die Wahrheit?