HALLOWEEN (31.10.06)
Entschuldigung… dieser Eintrag ist zu lang.
Unter diesem Bild steht darum die elementare Kurzzusammenfassung, deren dritter Punkt (um den Spannungsbogen zu halten) erst am Ende des Artikels endgültig erklärt wird.
Halloween… Süßigkeiten, Kürbisse, FLiTTCHEN!
Ich bin sozial erschöpft. Socially exhaustet. Eine kleine Pause von all der Feierei, dem ständigen Verkleiden, Kennenlernen, Smalltalken und luschtig sein ist nötig… denn in den letzten 6 Tagen habe ich fast nichts anderes getan. Während man in Deutschland artig erntedankt und dem radikal-protestantischen Thesenanschlag von 1517 gedenkt, wird hier in den Staaten ein dumm-fröhlich grinsender Kürbismann vor die Haustür gesetzt und Horden kleiner wohlbehüteter Nachwuchsdiabetiker laufen süßigkeitenlechzend dem kinderhassenden Onkel Istvan von nebenan direkt vor die Schrotflinte. Eine Odyssee in vier Teilen…

Schon Tage vor dem eigentlichen Fest fand die UniHalloweenParty der Graduate Studenten statt. Wie man auf dem Bild erkennen kann, ging ich als One Night Stand verkleidet - ein zugegeben flaches Wortspiel in Kostümform, das trotzdem von den Amis gut belacht wurde. Links neben mir Valerie und rechts die Holy Cow, eine andere idiomatische Redewendung. Es gab Gratisbier, eine eingebildete Billy Joel Cover Band spielte und ich machte dem an der Tür wachhabenden Polizisten so lange Komplimente über die Authentizität seiner Verkleidung, bis er genervt ein Foto mit mir machte.


Am Samstag vor Halloween nahm Jennifer mich & Mathias mit zu der Kostümparty ihrer reizenden Linguistikprofessorin. Als wir dort ankamen, war ich doch verwundert über die Vielfalt an ungehobelten Kostümen: zuerst grinste mich Adolf Hitler an, dann traf ich zwei Osama bin Ladens und schließlich ein brennendes World Trade Center. Und die Vogelgrippe. Nanü. Jennifer hätte uns wohl doch das Motto mitteilen können: “Least Appropriate“. Mein Kostüm war da ja noch halbwegs in Ordnung… der Schwede hätte kaum unpassender verkleidet sein können: Graf Dracula - und das macht es dann wohl thematisch wieder akzeptabel.

Foto von einem “One Night Stand mit Hitler”.
Und ein schlecht recherchiertes Kostüm.
Wer findet den Fehler?

Die Gewinner des Kostümwettbewerbs.

Hochgradig makaber: OneNightStand, Pink Taco und… Graf Dracula.
Vielleicht auch das Phantom der Oper. Oder eine Tortenschlacht.
Nun nähern wir uns dem Herzen der Finsternis, dem Kern der beliebten Volksbelustigung: der 31.10. höchstpersönlich. Ein harter Tag für alle seriösen Drag Queens… denn an diesem Tag sah ich selber “hilarious” aus (siehe hier). Ich weiß, keine besonders neue Masche… aber Silke (the Departmental Office Manager) hatte sich in die Idee verliebt, mich in ihr altes Prinzessinnenkleid zu quetschen. Ein Kleid, das den fehlenden Platz für Oberweite mit ausreichend Raum für drei Katahrina Valentes im Hinternbereich kompensierte. Immerhin, meine 2 Klassen waren ein wenig peinlich berührt, denn der Durchschnittasami verkleidet sich nicht zur Uni sondern erst abends. Auch die Kollegen waren überrascht.



Peter, der Dekan, und seine neue Freundin in Anzug und Flagranti.
Den Abend verbrachte ich bei Marianne, ihren Nachbarn und Kürbissuppe, während wir das Spektakel beobachteten. Onkel Hotte hat Recht gehabt. Alle zwei Minuten klingelt es an der Tür und ein paar Rotzgnome stehen mit ausgestreckten Händen und gierigem Blick vor eben jener: “Trick or Treat!” [Gaumenfreude oder Streich]. Wie ich bemerkte, hat die Jugend von morgen leider keinen Plan B, falls man ihnen nicht sofort eingeschüchtert durch die Konsequenzen der Alternativhandlung oder getrieben durch den vom Kindchenschema des gegenüberliegenden Individums ausgelösten Mutterinstinkt zwei Bonbons in die Hand drückt. Ein kleiner Junge wird zu Hause diese Geschichte erzählt haben:
“[Heulgeräusch] …und Mama… ich klopfe an diese Tür und eine riesige Frau mit tiefer Stimme macht auf… [Nase hochziehen] …ich sage Trick or Treat… sie sagt Was ist denn dein Streich?… ich gucke verdutzt… sage ich habe keinen…mache eine alberne Handbewegung…die Frau lacht…und nimmt sich zwei Bonbons aus meiner Tüte”.

Diana.

Festival im Ridgewood Drive
Nun aber zur Erlärung von Punkt 3, ihr erinnert euch sicher. Nach diesem netten Süppchen ging ich mit Diana, der griechischen Göttin, auf eine 6-Häuser-Riesenparty, die schon um 11 Uhr keinen Alkohol mehr hatte aber insgesamt mit Festivalfeeling und einer beeindruckenden Masse an Kostümen aufwartete. Wie aber verkleidet sich das typische amerikanerische Collegegirl zu Halloween? Eine einfache Dreipunktetaktik:
- sie zieht sich komplett aus.
- sie zieht sich nach folgenden Kriterien wieder an: möglichst WENIG und möglichst KURZ.
- sie malt sich ein winziges schwarzes Näschen und setzt zwei unauffällige kleine Öhrchen auf. Variationen auch mit winzigen Schnäbelchen oder der Miniaturversion eines Krankenschwesternhutes (siehe BING!).
Es ergibt sich ein erheiterndes Szenario aus halbnackten Mädels (”Oh, du bist auch als Katze verkleidet”), den kreativen Resten der weiblichen Welt (Pippi Langstrumpf, Senftuben, Tom Cruise) und Alphamännchen in diversen Kostümszenarien, selten halbnackte Kater. Sodom, Gomorra, Alkohol und Hosenficken… und wie ein Fels trohnt deutsche Bodenständigkeit im langen pinken Ballkleid: eure Mrs Germany. Im Februar fahre ich hoffentlich zu Mardi Gras! Perlenketten verkaufen…

Schwester, mir ist auf einmal so schwindelig.
Jilli in Worcester.
Anchorman A in Kanada.
Mein Kumpel Terez als Bauarbeiter.
Hallo, kleiner Frosch.
Am 5. November 2006 um 22:05 Uhr
Süüüß… Dieses Kleid, WAHNSINN!!! Solltest du öfter tragen, bzw fragen ob du es für Fasching an den später kommenden Schulen behalten darfst… Entweder bist du dann der coolste Lehrer der Schule, oder es nimmt dich keiner mehr ernst… (was ohnehin eher fragwürdig ist ;o)
Am 6. November 2006 um 15:06 Uhr
alter, du bist einfach ein freak! aber ein unterhaltsamer.
hättest du nicht noch ein paar mehr krankenschwesterfotos für deine einfachen freunde einstellen können?
grüße
Am 6. November 2006 um 21:44 Uhr
Eigentlich wollte ich als Kim Jong-il gehen… ;-)
Am 7. November 2006 um 06:20 Uhr
Hi Mel! das sind ja wieder bewundernswerte aufnahmen. Hier in Austalien wird leider gar nichts gefeiert, ausser Footballfinal, Melborne Cup ( fuer nicht Australier: Pferderennen) ist zurzeit grade und die groesste Party steigt Sylvester und Neujahr mit riesigem Feuerwerk und Segelparade am ersten. Da sind die Aussies echt seltsam mit.
Viele Gruesse, Niki
Am 12. November 2006 um 22:41 Uhr
grossartig. deutsche halloween kinder (ja, es gibt sie) sind da ja noch viel kapitalitischer - anstelle beim nachbarn klinken zu putzen gehen sie direkt zum kioskmann und bruellen ’suesses oder saures’ - herrje, das waren schoene zeiten, als noch ernte dank und thesen gefeiert wurden. nur soviel zum inadaequaten beitrag aus der heimat.
weiter so.
Am 2. November 2009 um 07:22 Uhr
Hei , Happy Haloween!!