“Nasse Würstchen!” (T.S.)
Es gibt in dieser Welt wohl kaum etwas Befriedigenderes, als morgens um 10 Uhr aufzustehen, 5 Liter puren Alkohol zu urinieren (wo nur Champus reingeht kommt halt auch nur Champus raus), 2 Aspirin einzuwerfen und sich dann wieder bis in den Nachmittag hinein schlafen zu legen. Was ich sagen will: der deutsche Bierpongkönig hat gezeigt, wie man regiert! Und das nicht grundlos, denn auch dieser Professor Haack hat seinen Job zu Ende gebracht und eben jenes darf ja wohl zünftig gefeiert werden! Bierfässer dieser Größe sind im Studentenschlafsaal ja auch eigentlich gar nicht erlaubt, als wir aber gestern dreist durch die Korridore rollten, hielt uns das Tower-Personal sogar die Türen auf. Außerdem bekam ich ein tolles antikes Jesus-Portemonnaie (inklusive Kirchengeruch) geschenkt.

Meinen letzten großen Job als TA verrichtete ich eigentlich schon letzten Donnerstag. Am einzigen regnerischen Tag, der sich im ganzen Monat auftreiben ließ, hielt das German Department sein traditionelles final BBQ ab, indoor. Würstchendrehen im Front Office: das macht man sonst ja wohl nur hinter verschlossener Türe. Außerdem bekam ich in meinem letzten Tutorium von Abby einen wahrlichen Rührkuchen geschenkt.


Ansonsten waren die letzten Wochen die Zeit der großen Theater-, Singsang- und Show-Events. Am 20.4. und auch am Folgetag führten wir endlich Carmina Burana auf, zwei total ausvekaufte Vorstellungen im großen Emory-Konzertsaal. Wusstet ihr, dass man als Chor auf der Tribüne beim Stehen nicht die Knie durchdrücken darf? Einfacher Grund: wenn man vor Lampenfieber oder aufgrund der allgemeinen Achselnässe ohnmächtig wird, fällt man in diesem Falle nach vorne in die Kollegen, im schlimmsten Falle in den Orchestergraben. Wer mit gebeugten Knien steht, sackt einfach nach hinten in seinen Stuhl. Noch etwas Kurioses: der 20.04. hat hier den Spitznamen fourtwenty und ist quasi der “offizielle” Tag des Kiffens. Von grün zu braun - in traurigeren Jahren wurde anderorts hier Hitlers Geburtstag gefeiert. Ob das irgendwie zusammen hängt? Als männlicher Chorsinger musste man übrigens im Frack auftauchen; in meinem Falle hieß das leihen! und sah eigentlich nicht übel aus. Oh Fortuna: Zeit für in Taberna!


Wasser im Knie oder Holzbein?
Von Frack zu Freak: am folgenden Dienstag fand das final Showcase meiner Theaterklasse statt und das war mal wirklich ein gruseliges Vergnügen. Da meine tänzerischen Möglichkeiten auch bis zum Ende des Semesters eher beschränkt blieben, kam die Idee auf, in meinem Falle die bewegungstechnischen Variationen des Wortfeldes “kriechen” zu erkunden. Die schauspielerische Rolle: der gruselige Hacker & Pornoliebhaber Astrakhan auf der Suche nach kompletter Kontrolle. Die Umsetzung: alle hübschen Mädchen liegen auf dem Boden und euer mel schiebt sich schlangenartig und widerlich schleimig über sie hin & weg, während er seinen Text zischt… Can see any part I wish. Your cunts, your banks, your charge accounts. Hocherfreut und am liebsten auf dem Rücken.

Aber kommen wir zu dem Teil meiner Geschichte, auf den ich mich am meisten freue. Letzten Samstag (28.04.) fuhr ich mit Alex in ihre alte High-School um eine Schulaufführung des Musicals CATS zu genießen; zumindest den Wolfenbüttlern sollte das ja ein Begriff sein. Kenner werden sich an die Szene erinnern, in der Macavity (the Mystery Cat) in ein riesiges Tuch gehüllt die Bühne betritt, dieses abwirft und wild lachend mit den anderen Katzen einen artistischen Tanz-Kampf aufführt. Gut, alles beginnt plangemäß. Die Katze betritt eingemummelt die Bühne, nähert sich den anderen, lacht wild, schmeißt das Tuch beseite und… reißt sich in eben jener Bewegung die Perücke vom Kopf, darunter eine aufgesetzte Glatze. Die Perücke fällt und fällt und… verfängt sich… vorne im Gürtel! Da trotzdem alle im Plan weitermachen, stelle man sich jenes groteske Bild vor: eine Glatz-Katze mit gigantischer Schambehaarung hüpft wie von der Tarantel gestochen auf der Bühne herum und lacht und lacht und lacht. So ging es ehrlich gesagt auch mir, die Tränen flossen nur so und auch wenn sich die versammelten Mamas, Papas, Omas, Opas stark am Riemen rissen, sah ich den einen oder anderen Mundwinkel kaum kontrollierbar zucken. Großer Spaß!
Tja, und nun geht es wieder auf Reisen. Mittwoch mit LJ nach Gainesville (Florida) zum Fischen, dann mit dem Schweden nach San Francisco, Las Vegas und Los Angeles, wo ich meine alten TA-Kollegen treffe. Zurück nach Atlanta und dann reisen Herr und Frau Steinmann eine Woche nach Miami, bevor ich am 11. Juni ins Flugzeug steige und es wie Otis Redding in Sitting on the Dock of the Bay mache: Left my home in Georgia…
Gehabt euch wohl, Freunde!
Euer mel
PS: In meinem Zimmer hängt ein etwa 2 Jahre altes Foto von Adrian und mir. Ein Freund (den ich erst seit Januar kenne) stand neulich davor und betrachtete es sehr angestrengt. Dann zeigte er mit dem Finger auch MICH und fragte: Man, that must be your twin-brother… gosh, he surely has got ugly hair.

Am 7. Mai 2007 um 21:37 Uhr
:D Ha ha! ich fand dein hair aber gar nicht mal so ugly - du hattest eher die haare schön. (jetzt aber auch, man muss(te) sich nur dran gewöhnen.)
Am 8. Mai 2007 um 00:09 Uhr
Na da hat Kira ja echt Glück gehabt… *totlachs* Was ein BÖSER Kater… *hihi*
Egal ob appes Haar oder Lockenpracht, Mel bleibt hoffentlich Mel… Und ich kann nicht verstehen, wie man euch verwechseln kann… Auch auf Fotos nicht… Vielleicht liegts daran, dass ich euch beide einzeln kennengelernt habe und nicht (wie viele arme Seelen aus der Propstei die euch nicht unterscheiden können) “gleichzeitig”…
Und ich fand Scrat am Hinterkopf gar nicht so hässlich…
Am 14. Mai 2007 um 01:15 Uhr
MEIN BRUDER! Was fuer eine wundervolle Geschichte! Ich lache Traenen…Es erinnert mich an meine letzten Tage in Waterloo…Eine Auffuehrung von Georg Buechners “leonce und Lena” in einem winzigen Klassenzimmer. 10 Leute im Publikum sitzen eng aneinanergequetscht und beobachten seit ueber einer Stunde das Geschehen: Keiner ausser dem dummen PAD (also ich) hat seinen text auswendig gelernt, es erfolgt gekonntes Vorlesen in improvisierten Kostuemen, teilweise kaum verstaendliche Passagen und endlos Monologe. Keiner auf Buehne oder im Publikum, der hier nicht raus will…Die letzte Szene: Priz Leonce (ich) betritt das Schaufeld des Geschehens, um endlich zu heiraten. Sein Blick faellt auf den 65-jaehrigen Senior-Studenten, der in dieser Szene einen Bauern spielt. Er hat eine Phantom der Oper-Maske auf, leider verkehrt herum: Der Nasenschlitz sitzt passig auf der Stirn, und die Nase quetscht sich unten raus. Leider habe ich wahrend des ganzen letzten Monologs gehustet (also versucht nicht zu lachen), wahrend Tini und 9 ander im Publikum geweint haben.
Na ja, nicht so spektakulaer wie Pubi-Cat…Bruder, ich wuensche dir eine tolle Reise! Lass mal von dir hoehren, und versteck Tobis Zelt fuer mich!
Dein A (der mit den haesslichen Haaren…Andre sagte neulich zu mir am Telefon:
“Adrian, ich weiss nicht warum, aber irgendwie sehen die kurzen Haare bei deinem Bruder besser aus…” Muss alos wohl das Gesicht sein. Ich versuche gerade, meins hinter einem Farmer-Bart zu verstecken, und nach nur 8 Tagen denken die meisten hier odch schon, dass ich etwas Dreck im Gesicht habe…
Liebe liebe Gruesse auch an die Katta, die das bestimmt liest! Lange nicht gesehen, wie war euer CATS?
Am 14. Mai 2007 um 15:47 Uhr
A propos Zelt verstecken: Ramona ist der festen Überzeugung, ihr Zelt bliebe dieses Jahr Pfingsten an seinem Standort, weil die Haacks ja nicht da sind. Ich meinte darauf nur, man kann das bestimmt auch in Auftrag geben. Oder???
Am 21. Mai 2007 um 15:31 Uhr
Ähm, Aufträge? *hüstel* Ich halt mich da raus…
Adrian, schön was von dir zu hören! :-) Unser Cats lief erstaunlich gut, hat (glaub ich) keiner so richtig mit gerechnet… Wie lange bleibst du denn noch drüben? Wäre ja schön, wenn ich nach fast vier Jahren endlich mal mein Schwein einlösen könnte… ^^ Und ich glaube, du hast noch ein Buch von mir, welches ich inzwischen schmerzlich vermisse… ;-)
Jetzt kommt erstmal Pfingsten…
Am 21. Mai 2007 um 15:40 Uhr
na jaa, außer, dass mal die bühne brannte und herr heise sich nicht in der lage fühlte, sie zu löschen (nicht wahr, werner?), oder dass mr. mistoffelees pyros samstag abend so nass waren, dass sie nicht losgingen, war cats, äh, der jellicle ball, ganz gut. :-) Ach ja, und Perücken wurden bei uns auch verloren, wie Katta schon oben erwähnt hat. ;-)
Am 21. Mai 2007 um 18:30 Uhr
das Bild ist gespiegelt!
gewonnen?