Oster-Eis
Als Werner vor nunmehr fast zwei Wochen sein blasses deutsches Körperlaken der aggressiven Sonne Atlantas zum Fraß vorwarf, herrschten hier noch etwa 25 Grad und nachts mussten wir uns in den Schlaf weinen, damit die verdampfenden Tränen wenigstens für eine leichte Abkühlung sorgten. 5 Tage nach seiner Abreise saß ich mit Terez auf dem Balkon und rauchte Wasserpfeife… in 2 Pullovern, mit Handschuhen, unter einer Wolldecke. Und dann, auf den Glockenschlag des Tageswechsels, segelten fünf Minuten Unglaublichkeit auf uns herab. Ein Ereignis, wie es hier sogar im Winter selten geschieht: ES SCHNEITE! Ja!!! 5 Minuten lang fielen kleine weiße Flocken vom Himmel; meine Mitbewohner riefen aufgeregt ihre Freunde an und der Campus erschallte vom Gekreische kurzröckiger Party-Schnitten. Am nächsten Morgen hatte ich eine Kehle wie ein Schlachtfeld.
Zwei Tage später: Ostersonntag. Mein erster amerikanischer Kirchgang: stimmungsvoll aber stimmlos. Ich mag behaupten, in meinem Leben durchaus den einen oder anderen Gottesdienst besucht zu haben - österliche Klostermesse am Donaudurchbruch (lateinisch), weihnachtliche Mitternachspredigt in Fümmelse (menschenleer), Kirchentagsabschluss im Frankfurter Stadion (enthusiastisch) - dieser Gottesdienst war trotzdem etwas Besonderes. Erst einmal all die Amerikaner, deren Kleiderordnung sich für das Kirchvergnügen exakt nach meiner Vorstellung richtete. Genauso der Herr Pastor - ein hamsterartiger Mann mit Toupé und Schnurrbart, der den Gottesdienst mit einem kleinen Kennenlernspiel einleitete und seine (gute! inhaltsstarke!) Predigt mit ein paar Witzchen auflockerte. Im Hintergrund ein fantastischer Chor in roten Roben, davor das Kreuz. Jenes war in seiner Grundstruktur aus groben Ruten geflochten, zwischen die alle Gottesdienstbesucher mitgebrachte Blumen steckten, so dass das harte Symbol der Kreuzigung sich letztendlich in ein blühendes Lebenszeichen umwandelte. Schön! Könnte mir gut vorstellen, dass der eine oder andere Anwohner an jenem Morgen seinen Vorgarten bewachte…

Alex, Jutta & Tita (deutscher TA-Besuch), Herr Pastor, melvin.
Ich sollte mir wirklich noch ein zweites gutes Hemd zulegen.
Nach der Kirche war ich zu meiner Kumpeline Alex und ihrer herzlichen, lustigen, durchgeknallten Familie eingeladen. Da wurde mir echt warm ums Herz, als die schwesterliche Rasselbande den Mittagstisch rockte, denn ich musste natürlich an meine eigene Familie denken: bald gehts auch in Deutschland wieder rund! Der deutsche Gottesdienst am Nachmittag war eher blaß; unsere Landsmänner kriegen einfach nicht die Zähne auseinander! Wie kann man denn bloß so ernst bleiben, wenn es um die FROHE Botschaft geht? Ja, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch! Das zieht doch sonst auch immer…
Ich wünsche euch allen nachträglich noch einmal frohe Ostern!
Pace tecum,
euer mel
Am 13. April 2007 um 16:33 Uhr
Ist echt erstaunlich, wie anders Kirchen bzw. Gottesdienste in anderen Ländern sein können! Trotzdem habe ich mich in Brasilien in der Kirche besonders wohl gefühlt, weil ich da mal was verstanden habe (Vater Unser und Glaubensbekenntnis erkennt man selbst auf Portugiesich wieder). Und die Idee mit dem Blumenkreuz finde ich echt nicht so schlecht - schön, dass du auch solche Erfahrungen mitbringen wirst! Und auch in Deutschland gibt es lebendige Gottesdienste. ;-)
Bis hoffentlich bald mal wieder! :-)
Das Evchen
Am 15. April 2007 um 17:59 Uhr
Schnee??? Schön… Wir haben seit ein paar Tagen unglaublich schönes sonniges Wetter hier… Ich habe gestern zwei Stunden im Garten gelegen… Bei 22 Grad im Schatten und angenehm kühlem Wind…
Leider habe ich eben grad mal wieder bemerkt, dass meine Nachbarn gegenüber einen wunderbaren Blick von ihrem Balkon in mein Zimmer haben… -.-
Am 16. April 2007 um 08:26 Uhr
Schne…Das kenne ich sehr gut. Aber wie sieht denn die Sonne noch mal aus? Ist das nicht auch so was weißes, rundes, was die Temperatur etwas über null hebt??
Am 17. April 2007 um 08:51 Uhr
Für gewöhnlich schon… Bis gestern war die Sonne bei uns so ein großes gelbes Ding auf einem strahlend hellblauen Untergrund was die Temperatur so knapp über 20° gehoben hat…
Heute ists eher grau in grau…
Am 17. April 2007 um 10:55 Uhr
Tja, was soll ich sagen…da war selbst das Wetter über Atlanta so traurig über meine Abreise das es spontan krank geworden ist :-) *uiii-hier-stinkt-es*
Aber die Vorstellung von Schnee in Atlanta fällt mir nach dem kurzen Hosen Wetter wirklich sehr schwer!
Am 26. April 2007 um 07:25 Uhr
Na danke, Mel. Da haben wir ja tatsächlich wenigstens ne kleine Erwähnung in der Bildunterschrift ergattert. Was’n Glück, dass wir das Foto gemacht haben. Sonst wäre unser Besuch wahrscheinlich ganz ignoriert geblieben oder wie seh ich das? Und sowas, wo mein “Schwimm-Tipp” ja anscheinend Kassenschlager auf Deiner Seite hier ist ;)
Am 26. April 2007 um 16:35 Uhr
Dein Schwimm-Tipp (ALLE herhören: das war JUTTAs Erfindung!!!) ist DER Kassenschlager. Tatsächlich hätte euer Besuch mehr als solch einer kleinen Erwähnung gebührt… erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral! Aber unser nächster Trip gibt ein ganzes Buch!
Am 29. April 2007 um 02:13 Uhr
huhu..
ich melde mich auch mal ausm kalten (mit ein ganz paar warmen tagen) canada.
wir hatten vor knapp 2 wochen auch noch n ganz schlimmen schneesturm mit ner windgeschwindigkeit von 80kmh. die woche drauf hatten wir 22 grad und jetzt sinds so 5-10. hoffe wird waermer.
naja…ich wuensch dir noch ganz viel spass und viele tolle erlebnisse, mel :)
lieben gruss!
Am 29. April 2007 um 17:27 Uhr
Oh, welch Freude: ein lang nicht gehörter Gast! Ich wünsche DIR noch ganz viele spannende Erlebnisse und ein wenig Sonnenschein. Wann gehts zurück? Grüße!