Eine Woche American Life (10.11. - 18.11.)
Die letzte Woche war ziemlich geschäftig. Ich habe in vielen verschiedenen Kultur(?)kreisen gemischt & einige Dinge getan, mit denen ich hier gar nicht unbedingt gerechnet hätte, auch als Mathematiker. Immerhin habe ich fleißig mitgeschrieben. So kann Amerika auch, tatsächlich und also doch sein.
- Do, 09.11.
Lilian Friedberg, die Übersetzerin der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, hält einen Vortrag an unserer Universität und ich muss vor versammelter Bande “Die Affen rasen durch den Wald” singen. Ein Sturm von einer Frau. - Fr, 10.11.
Besichtigung der Atlanta Brewing Company, das Bier mit dem großen “A“. Das Management entschließt sich spontan, die Führung durch Freibier zu ersetzen. Unter den diversen Scheußlichkeiten tat sich eine besonders hervor: Red Brick Bear. Roter Ziegelstein. Und so fühlte es sich dann auch an (mehrmals). - Danach ziemlich angeschwipst ins Kino: “Borat”. Ali G. aus Kasachstan entblößt akzentuiert Amerika - ein Vossi mit Schnurrbart und ziemlich witzig. Anschauen!
- Sa, 11.11.
Mal etwas ganz Neues für mich alten Tanzneurotiker: Swing! Das ist so eine Art Jive-in-locker mit echt lässigen Variationen (wie z.B. dem Charleston)… und auch wenn die so genannte “Anfängerstunde” doch eher für Fortgeschrittene konzipiert war, konnte ich das ein oder andere mal schon ganz gut auf der Tanzfläche die Lackschühchen schütteln… wenn die Frau Führungsqualitäten aufwies. - So, 12.11.
Es klingt unglaublich trivial, aber ich muss euch davon berichten, wie ich einkaufen war, denn an dieser Stelle können wir leicht augenzwinkernd einiges über Amerika lernen. Kroger ist eine große amerikanische Supermarktkette, die 24/7 geöffnet hat und in einem eben jener kleinen Wunderländer erlebte ich eine sehr befremdliche halbe Stunde. Zuerst fing es in der Gemüseabteilung plötzlich an zu blitzen & donnern und dann aus kleinen Sprinklern auf die gelagerten Vitaminträger herabzuregnen. Das Gackern bei den Eiern und das Muhen bei der Milch nahm ich nach dieser Einstimmung gelassen hin, immerhin kackte oder vogelgrippte es nicht auf uns herab. Nun passierten allerdings noch zwei wahrlich erschütternde Dinge. Zuerst machte sich ein fetter Mann* mit einem ganzen Wagen voller CocaCola über meinen halben Liter Vollmilch lustig (die Amis trinken alle halbfett oder lipophil) und dann konnten wir keinen Alkohol kaufen. Das ist in diesem religiösen Staate am Sonntag gesetzlich verboten. Mann mann mann - Where Shopping is a Pleasure…
* Es gibt sie, aber weniger als erwartet. - Mi, 15.11.
Ich muss den ganzen Tag an einem kleinen Stand stehen und Leute überreden, 6 Wochen lang in Wien zu leben. Der Dekan wünscht sich, dass ich auf den Fotos für die Webpage unseres Seminars nicht mehr “dieses Gesicht mache” und Silke läuft in Nipponverkleidung stundenlang hinter mir her, um mich in einem unaufmerksamen Moment zu blitzen. - Do, 16.11.
An der Uni wird “Spring Awakening” aufgeführt. Habe an dich gedacht, André! Hattet ihr auch eine Szene mit Um-die-Wette-Masturbieren? Ich kann mich nicht erinnern. - Fr, 17.11.
Ich bin einer der wenigen Nicht-Inder bei der großen Bollywood Dance & Movie night. Hochamüsant, vor allem, als der Kassettenrekorder plötzlich fremdenfeindlich wird und volle Kraft voraus die Musik in Micky-Maus-Geschwindigkeit abspielt. So schnell habe ich rosa gekleidete Männer noch nie hüpfen gesehen… wie Matrix mit Farbfehler. - Sa, 18.11.
Um 7.00 stehe ich auf und folge der Einladung einer Freundin einer Freundin: Joggen in netter Runde. Wie könnte man einen Tag besser beginnen? 5 Kilometer Laufen, Frühstücken & Lachen und dann ist immer noch Vormittag, wenn man in die Dusche klettert. Ein wenig erheitert war ich allerdings schon, als ich auf dem T-Shirt des Gruppenführers das Logo dieser Bande entdeckte: - Abends dann… dicke GEBURTSTAGSPARTY im deutschen Haus! Beerpong, ein halbnackter Elliott und Schnurrbärte aus Senf… aber das erzähle ich euch im nächsten Eintrag.




Eigentlich ganz hübsch, der Bursche.

Hey, ich fühle mich sehr gut, akzeptiert & wohl. Die nächsten Wochen werden wohl im Rallye-Gang abgearbeitet: Thanksgiving mit Ryans Familie in den Suburbs, Humortheorie-Konferenz mit Jenn in New Orleans, Fulbright-Tagung in Washington DC, Weihnachtsshoppen mit Jilli in New York. NODCNY - das Bermudadreieck der Ostküste. Ja, ich denke, es geht mir wahrlich ziemlich gut. Trotzdem fehlt ihr mir öfters mal, Freunde!
Am 21. November 2006 um 08:23 Uhr
Mein Bruder, du Weltenbummler-Worteschummler! Das klingt unglaublich gut…Weiter so! Andre sollte übringens ursprünglich auf der Bühne jackjerken (Niklas und mich wollten sie ja nicht dabei haben, weil wir zu langweilig aussahen), das wurde dann in rumpinkeln geändert und schließlich blieb diese Choreographie zu Eminem übrig, bei der Kunpel Andre sich immer wie Herr Reinke auf der eingeölten Brust rumgetrommelt hat…
Am 21. November 2006 um 10:55 Uhr
von a richtig wiedergegeben war nix mit wix.
liege ich richtig mit der Einschätzung, dass es für den ami keinen unterschied macht, wenn ein Norddeutscher am Wiener Stand steht? Wahrscheinlich könnte auch ein Russe beim Portugiesen aushelfen, ohne aufzufallen.
Gerade NO hört sich interesant an, bitte ein paar Bilder machen ohne Grinsekatze und mit Ernst (aber nicht im Bild).
Am 22. November 2006 um 12:12 Uhr
freue mich, dass ich für dich wie ein borat ohne schnurrbart aussehe. solch ein liebes kompliment hab ich noch nie bekommen! schon sehr gespannt auf die “geburtstagsparty”.
grüße
Am 22. November 2006 um 22:12 Uhr
Klingt echt schön was du da alles machst… Echt nett… Da wird man ja fast neidisch… Habe meinen Blog auch mal wieder lebendiger gemacht, hätte ja nicht gedacht das da mal wer rein schaut… Aber weiteres in meiner langen, langen Mail… ;-)
Am 25. November 2006 um 12:27 Uhr
Amerikanisches Bier schmeckt doch zum kotzen. In diesem Punkt beneide ich dich echt nicht…aber da hast du wenigstens etwas, worauf du dich freuen kannst;-)